Europäische Subventionen für Stierkämpfe : Kann die Finanzierung einer illegalen Tätigkeit legal sein ?

Genau hierüber werden die Mitglieder des Europäischen Parlaments am 22. Oktober während der Plenarsitzung für die Verabschiedung des Budgets 2015 auch abstimmen.

Was würden deutsche Bürger sagen, wenn sie erfahren, dass sie mit ihren Steuern den Mohnanbau zur Heroingewinnung in einem Land Südeuropas, wo der Heroinkonsum erlaubt ist, mitfinanzieren ?

Wären Sie als deutsche(r) BürgerIn, der/die diese Droge in Deutschland nicht konsumieren darf und sich strafbar macht, damit einverstanden, diesen Konsum woanders in Europa mit Ihren Steuergeldern zu ermöglichen ?

Der gesunde Menschenverstand und unser Sinn für Moral sagen uns, dass die Finanzierung einer illegalen Tätigkeit nicht legal sein kann bzw. nicht dadurch legalisiert werden kann, dass die Subventionen an ein anderes Land innerhalb der EU vergeben werden, wo eine kleine Minderheit dieses als legal ansieht.

Und doch passiert genau das heute in Europa. Alle Europäer finanzieren mit ihren Steuern die Züchtung der Stiere für den Stierkampf und andere Feste in Spanien, Portugal und Frankreich, obwohl das Gesetz Stierkämpfe in ganz Europa verbietet außer in Südfrankreich, Portugal und Spanien – mit Ausnahme von Katalonien, den kanarischen Inseln und ein paar Städten, die sich als Antistierkampfstadt deklariert haben.

Der niederländische Europa-Abgeordnete Bas Eickhout hat einen Änderungsantrag vorgelegt, um die den Stierkampfzüchtern im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik gewährten Subventionen zu streichen.

Dieser Antrag wurde von einer Mehrheit der Mitglieder des Umweltausschusses unterstützt um dann aber leider vom Haushaltsausschuss abgelehnt zu werden.

Nun müssen sich alle Europa-Abgeordneten in der Plenarsitzung am kommenden Mittwoch zu diesem Thema äußern. Bas Eickhout hat eine namentliche Abstimmung verlangt : dadurch werden wir genau wissen, welcher MEP diese grausame Tradition subventionieren will, damit diese weiter stattfinden kann, obwohl sich die öffentliche Meinung gewandelt hat und das Bewusstsein der Menschen für das Leiden der Tiere gewachsen ist.

Ca. 75% der Spanier, Franzosen und Portugiesen lehnen den Stierkampf ab, und dieser Prozentsatz erreicht 90% bei der Jugend ; und doch besteht die Europäische Union darauf weiterhin Mittel zu verschwenden, die dringend in den Bereichen Gesundheit und Bildung benötigt werden.

Die 130 Mio. Euro für die Stierkampfzüchter können besser verwendet werden, um die Landwirte zu unterstützen, die in Übereinstimmung mit den europäischen Richtlinien zum Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere arbeiten.

Der CRAC Europe unterstützt Bas Eickhouts Änderungsantrag. Daher haben wir im Vorfeld Bas Eickhout kontaktiert, um zu erfahren welche Hilfe er von einer Antistierkampforganisation wie unserer erwartet. Unser Angebot wurde sehr gut aufgenommen, und wir haben mit seinen Mitarbeitern zusammen gearbeitet.

CRAC Europe hat eine Unterstützer-Mitteilung an alle 750 MEPs sowie einen offenen Brief (siehe hier unten) geschickt. Wir haben alle unsere Partner in Frankreich, Holland, Belgien, Deutschland, Italien, Spanien und England eingeladen, sich an dieser Kampagne zu beteiligen und unsere Mitglieder dazu aufgerufen, ihre Unterstützung über die sozialen Medien und per Email auszudrücken.

Wir wünschen Bas Eickhout und seinem ganzen Team, dass die Europa-Abgeordneten am kommenden Mittwoch erkennen, dass die EU-Subventionierung einer Tätigkeit, die in fast ganz Europa illegal und strafbar ist, nicht genehmigt werden darf.

Die offizielle Petition kann hier unterschrieben werden :
http://supportgreens.eu/de/stierkaempfe

Marika Marcuzzi
CRAC Deutschland


Offener Brief an einen Europa-Abgeordneten, der Stierkämpfe befürwortet
14. Oktober 2014

Sehr geehrter Herr De Grandes,

Ihren Brief habe ich erhalten und ich danke Ihnen für die Transparenz, die Sie in diese Debatte einbringen wollen. Ich teile Ihren Wunsch nach einer offenen Debatte, weshalb ich mich für einen offenen Brief entschieden habe.

Vieles weist darauf hin, dass Stierkampf und europäische Subventionen in Verbindung stehen. Spanische Europa-Abgeordnete behaupten es (1). Offizielle Quellen stellen fest : „wesentliche Einkünfte stammen aus dem Verkauf der Kampfstiere und der GAP-Subventionen (2)“ oder wie es im Originaltext heisst : “el ingreso principal procede de la venta de animals de lidia y de las subvenciones de la Política Agrícola Común. (3)” Vor ein paar Jahren bekam die Stierkampfindustrie direkte EU-Subventionen in Form einer „Rinderspezialprämie“ bis zu 210 Euro pro Rind (4) ; nun wird ein Betrag pro Hektar gewährt : 240 Euro laut Dr. Alfred Boschs Bericht (2). Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum finanzieren zudem Stierkampfaktivitäten wie Arenasanierungen. Demzufolge kann mit Sicherheit behauptet werden, dass die EU, direkt oder indirekt, die Stierkampfindustrie finanziert.

Die Europäische Union schützt die kulturellen Besonderheiten, das stimmt. Aber der Artikel 13 des AEUV ist keine Lizenz zum qualvollsten Foltern und Töten. Den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere nicht in VOLLEM UMFANG Rechnung tragen zu müssen ist eine Sache, extreme Grausamkeit und Demütigung eines Stieres eine andere. Die Europäische Union hat sich der Erhöhung des Wohlergehens der Tiere in ganz Europa verschrieben. Der Druck steigt da immer weniger Menschen in Spanien, Portugal und Frankreich den Stierkampf akzeptieren. Der durch diese zwei gegensätzlichen Ziele hervorgerufene Konflikt muss gelöst werden.

Die Rasse der Kampfstiere ist weder herausragend noch einzigartig. Kampfstiere gehören der Spezies Bos Taurus an und weisen zu den gewöhnlichen Stieren nicht genügend biologische Unterschiede auf, als dass sie taxonomisch in einer speziellen Unterart klassifiziert wären. Der einzige Unterschied zu anderen Stieren ist die Absicht ihrer Züchtung und einige durch künstliche Selektion geschaffene Merkmale. Bei den Kampfstieren handelt es sich daher lediglich um eine Rasse. Eine Rasse kann aber nicht aussterben sondern einzig und alleine eine Spezies.

Im Gegensatz zu Ihrer Aussage würde das “Weide Ökosystem” nicht beeinträchtigt werden und es hat abgesehen davon keinen besonderen Wert für die Umwelt. Denn eigentlich schaden Subventionen den Dehesas (Weiden). Sie erlauben es mehr Tiere zu züchten, was dazu führt, dass mehr Nahrung verbraucht wird als von den Weiden nachhaltig erbracht werden kann. Die Dehesas sind ein von Menschenhand geschaffenes Umfeld, welches von Umweltschützern als instabil und ökologisch sehr begrenzt eingestuft wird. Sie wurden durch die Zerstörung des mediterranen Urwaldes geschaffen. Des Weiteren teilen die Stiere überhaupt nicht die Dehesas mit den vom Aussterben bedrohten Iberischen Luchsen und Spanischen Kaiseradlern, und sie spielen auch keine Rolle im Ökosystem, weil sie weder Beute noch Beutejäger sind und nicht zur Vermehrung auch nur einer Pflanzenart beitragen. Da weniger als 10% der Dehesafläche für die Züchtung der Kampfstiere verwendet werden bleibt die Auswirkung ohnehin äusserst begrenzt.

Auch ich möchte nicht verheimlichen, dass ich ein grosser Verteidiger der sogenannten „Kampfstiere“ bin. Sie sind mir wichtig, ihr Wohlergehen liegt mir am Herzen. Ich will nicht, dass sie qualvoll sterben. Was alle Stierkampfgegner wollen und versuchen zu erreichen ist, dass sie leben und gedeihen. Selbstverständlich gibt es Möglichkeiten diese Stiere auf ihren Weiden zu halten ohne sie – oft bereits im Kindes- und Jugendalter – in einen schrecklichen Tod schicken zu müssen.

Mit den besten Grüssen,

Jean-Pierre Garrigues
CRAC Europe
Comité Radicalement Anti Corrida

(1) http://www.20minutos.es/noticia/1815014/0/subvencion/corridas/toros/
(2) http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Studies/2013-5%20Bullfighting%20subsidies%20report.pdf
(3) http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Studies/2013-5%20Bullfighting%20subsidies%20report.pdf
(4) http://leplus.nouvelobs.com/contribution/1249778-.html


Email vom 30.09.2014 18:46
Sehr geehrter Herr Garrigues,

Ihre CRAC Europe Unterstützer-Mitteilung bzgl. des Änderungsantrags 6334 habe ich erhalten.

Die Transparenz, die die Arbeit eines Mitglieds des Europäischen Parlaments prägen sollte, verpflichtet mich dazu, Ihnen mitzuteilen, dass ich nicht nur mit Ihrer Position nicht einverstanden bin, sondern alles Mögliche tun werde um zu verhindern, dass der obige Änderungsantrag Erfolg hat.

Meinerseits respektiere ich alle Positionen, aber ich teile nicht die irreführende Art und Weise wie Sie gegen die Kampfstiere in Spanien schreiben und noch weniger, dass Sie sich die Debatte bzgl. des EU-Budgets zu Nutze machen um dieses Thema vorzubringen, welches nichts mit der europäischen Subventionspolitik für Landwirte und Züchter zu tun hat.

Dieser parlamentarische Änderungsantrag verursacht totale Verwirrung bei den Bürgern, da die Stierkampffeiern in keinem Zusammenhang zu den von den spanischen Landwirten erhaltenen Subventionen stehen, welche nur für die Produktion bestimmt sind.

Andererseits scheint es mir notwendig daran zu erinnern, dass die Europäische Union in ihren Gründungsverträgen die kulturellen Besonderheiten der Mitgliedstaaten schützt.

Des Weiteren verheimliche ich nicht, dass ich ein großer Verteidiger der Kampfstiere bin und wenn deren Züchtung beendet werden sollte, würde eine herausragende und einzigartige Rasse verschwinden, was sich auf das Ökosystem auswirken würde. Dadurch wäre das „Weide Ökosystem“ beeinträchtigt und dieses hat einen hohen Wert für die Umwelt.

Ehrlich gesagt hoffe und wünsche ich, dass Ihre Forderung scheitert da sie leider Jahr für Jahr, immer wieder in der Debatte über das Budget der Europäischen Union gestellt wird.

Mit den besten Grüssen,

Luis De Grandes
Generalsekretär der spanischen Delegation der Europäischen Volkspartei